Von & mit: Mario Reiser – Mindfulness for Elite Sports (https://www.marioreiser.com)
Das komplette Interview findest du hier auf dem Podcast auf YouTube
Warum Mindfulness heute im Spitzensport unverzichtbar ist
Achtsamkeit ist längst mehr als ein Trend. Im Spitzensport ist Mindfulness zu einem entscheidenden Faktor geworden – für Fokus, Regeneration, mentale Stabilität und Leistungsfähigkeit.
Der ehemalige Lehrer und heutige Mindfulness- und Mentaltrainer Mario Reiser arbeitet mit Top-Athleten verschiedener Sportarten, darunter Weltcup-Skifahrer, Triathleten und Leistungsträger aus Teamsportarten.
In unserem Gespräch zeigt er nicht nur die Methoden, sondern auch die tiefere Philosophie hinter Mindfulness – und erklärt, wie Sportler lernen, ihren Geist genauso zu trainieren wie ihren Körper.
Der Weg von Mario Reiser: Von Shaolin-Mönchen zum Spitzensport
Alles begann 1993, als Mario in einer TV-Dokumentation zum ersten Mal Shaolin-Mönche sah.
Die Faszination war so groß, dass er kurzerhand nach China reiste – ein Abenteuer, das damals alles andere als selbstverständlich war. Dort begann sein Weg in Meditation, Mindfulness und die innere Arbeit.
Studium in New York & Begegnung mit Phil Jackson
Während eines späteren Studiums in New York stieß Mario auf Phil Jackson, den legendären NBA-Coach der Chicago Bulls & LA Lakers.
Jackson gewann 11 Meisterschaften, nicht nur wegen Taktik – sondern wegen seiner Nutzung von Mindfulness, Atemtechniken und Team-Philosophie.
Der Sportpsychologe George Mumford war dabei eine Schlüsselfigur.
Diese Inspiration ließ Mario nicht mehr los – und legte den Grundstein für seine heutige Arbeit.
Was bedeutet Mindfulness wirklich?
Mehr als Achtsamkeit: Bewusstsein für das Hier und Jetzt
Mario nutzt bewusst den Begriff Mindfulness, nicht „Achtsamkeit“, da er tiefer geht.
Mindfulness bedeutet für ihn:
- den Fokus ins Hier und Jetzt zu bringen
- Gedanken und Emotionen bewusst wahrzunehmen
- Akzeptanz zu üben
- den inneren Beobachter zu aktivieren
- kognitive Fusion zu lösen
Im Kern hilft Mindfulness Sportlern, ihren Geist zu stabilisieren und Situationen klarer wahrzunehmen.
Warum Mindfulness die Leistung im Sport steigert
1. Fokus im Hier und Jetzt
Im Wettkampf zählt nur ein Moment: der jetzige.
Doch Nervosität, Angst, Zukunftsprojektionen oder Grübeln über Fehler ziehen Sportler mental weg.
Mindfulness bringt sie zurück in die Präsenz – wo Performance überhaupt erst möglich ist.
2. Akzeptanz statt Widerstand
Sportler neigen zu Perfektionismus und Selbstkritik.
Doch Widerstand gegen Fehler, Emotionen oder unangenehme Situationen führt zu Spannung, Kontrollverlust und Leistungsabfall.
Mindfulness vermittelt:
- Akzeptanz heißt nicht gutheißen.
- Akzeptanz heißt: Ich nehme es an – und handle lösungsorientiert.
Erst Akzeptanz erlaubt Wachstum.
3. Der innere Beobachter & kognitive Diffusion
Ein zentrales Tool von Mario:
Kognitive Diffusion
Das bedeutet: Gedanken und Emotionen sind nur Objekte, die nicht das Subjekt (das Selbst) kontrollieren müssen.
Beispiel-Übung, die Mario im Coaching nutzt:
- Athlet setzt sich hin, Augen zu
- Er „verlässt“ mental seinen Körper und beobachtet sich selbst
- Dann beobachtet er seine Gedanken wie von außen
- Dadurch löst er die Fusion: Gedanken ≠ ich
Das reduziert Angst, Schmerz, Leistungsdruck und mentale Blockaden.
4. Besserer Umgang mit Schmerz, Angst und Stress
Ein Beispiel: Triathlet Jan Frodeno nutzt Selbstgespräche für Schmerzbewältigung.
Sportler lernen, innere Reaktionen bewusst zu steuern – statt von ihnen überrollt zu werden.
Wie Mario mit Sportlern arbeitet
Online & Präsenzsessions
Da Spitzensportler volle Terminkalender haben (z. B. Ski-Weltcup), arbeitet Mario online und vor Ort.
Präsenz-Coachings ermöglichen schnellere, tiefere Erfahrungen – besonders beim Erlernen von Atemtechniken und Visualisierungen.
High-Tech als Unterstützung: EEG-Stirnbänder & Neurofeedback
Mario setzt u. a. EEG-Stirnbänder von „Muse“ ein.
Sie zeigen in Echtzeit, welche Hirnwellen gerade aktiv sind.
So wird sichtbar:
- bin ich gestresst?
- komme ich wirklich runter?
- funktioniert die Atemtechnik?
Gerade junge Athleten lieben diese technologischen Feedbacks.
Binaurale Beats für optimale Leistungszustände
Mario arbeitet in seinen Meditationen mit binauralen Beats, die bestimmte Gehirnwellen stimulieren, z. B.:
- Alpha-Wellen (8 Hz) → optimal für Fokus & Flow
- Entspannungszustände
- mentale Wettkampfvorbereitung
Diese Kombination aus traditioneller Meditation + moderner Neurotechnologie ist ein Kern seiner Arbeit.
Typische Übungen: Was Sportler wirklich machen
1. Atembeobachtung
- Nasenatmung
- verlängertes Ausatmen
- Vagusnerv-Aktivierung
- Stressabbau vor Wettkämpfen
2. Bilder / Visualisierungen
Bilder sind im Spitzensport entscheidend.
Sportler lernen:
- technisch perfekte Abläufe zu visualisieren
- emotionale Zustände vorzubereiten
- Szenarien mental zu „üben“
3. Bodyscan & Körperwahrnehmung
Zur Entspannung, Wahrnehmung und Regeneration.
4. Abend- und Morgenroutinen
Viele Athleten nutzen Marios Meditationen:
- abends zur Nervositätsreduktion
- am Wettkampftag für Fokus
- unterwegs im Bus/Hotel zur Vorbereitung
Flow-Zustand: Die Königsdisziplin
Wie entsteht Flow laut Mario?
Flow ist kein Knopf, den man drücken kann.
Er entsteht, wenn bestimmte Gelingenbedingungen erfüllt sind:
- Fokus auf das Hier und Jetzt
- Prozess statt Ergebnis
- Vertrauen statt Kontrolle
- Leidenschaft & intrinsische Motivation
- Loslassen des Kopfes
Flow ist ein Seins-Zustand – kein Ziel.
Der Umgang mit Fehlern: Lektionen von Federer & Messner
Ein entscheidendes Thema im Coaching ist der Umgang mit Fehlern.
Roger Federer: 54 % Punktegewinnquote
Federer sagt selbst:
- 80 % der Spiele gewonnen
- aber nur 54 % der gespielten Punkte
Das heißt:
Top-Athleten machen fast genauso viele Fehler wie Punkte.
Die Kunst:
Schnell akzeptieren.
Lernen.
Weitergehen.
Reinhold Messner: 13 gescheiterte 8000er-Expeditionen
Auch Messner betont:
Ohne die gescheiterten Expeditionen hätte es den Erfolg nie gegeben.
Fehler sind Feedback – kein Beweis von Unfähigkeit.
Was macht Spitzenathleten wirklich außergewöhnlich?
Laut Mario gibt es vier Schlüsselfaktoren:
1. Leidenschaft (Love for the Game)
Ohne Liebe zum Sport hält niemand dauerhaft durch.
2. Dankbarkeit
Dankbarkeit schützt vor mentaler Erschöpfung und verbindet Sportler wieder mit ihrem „Warum“.
3. Zuversicht
Auch in schlechten Phasen optimistisch bleiben – besonders nach Verletzungen.
4. Belohnungsaufschub (Gratification Delay)
Die Fähigkeit, jahrelang zu trainieren, obwohl die Belohnung ungewiss ist.
Olympiasieger sind Meister darin.
Für wen ist Mindfulness geeignet?
Nicht nur für Spitzensportler.
Mindfulness hilft auch:
- Führungskräften
- Schülern
- Ärzten
- Eltern
- Menschen im Alltag
- Teams & Unternehmen
Mario arbeitet daher auch mit Firmen, Teams und Privatpersonen.
Fazit: Mindfulness ist kein Luxus – es ist ein Leistungsturbo
Mindfulness:
- stabilisiert den Geist
- verbessert Fokus
- fördert Flow
- baut Stress ab
- hilft bei Schmerz & Angst
- verbessert Regeneration
- stärkt die emotionale Resilienz
- macht Menschen leistungsfähiger – im Sport und im Leben
Das Interview zeigt:
Mindfulness ist die nächste Evolutionsstufe im Spitzensport.
Mehr über Mario Reiser
👉 Offizielle Website: https://www.marioreiser.com
👉 Das komplette Podcast-Interview findest du hier: [Link einfügen]



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