Trauer verstehen – und gemeinsam tragen: Trauerexpertin Eva Terhorst im Interview

Sep. 29, 2025 | Emotionale Gesundheit, Mentale Gesundheit, Podcast

Trauer ist eine der tiefsten menschlichen Erfahrungen.

Sie betrifft nicht nur die Menschen, die unmittelbar einen Verlust erleiden, sondern auch deren Umfeld.

Das Gespräch mit der erfahrenen Trauerbegleiterin und Autorin Eva Terhorst macht klar:

Trauer ist individuell – und doch gibt es Muster, hilfreiche Impulse und Fehler, die wir vermeiden sollten.

Bevor es losgeht findest du hier noch eine Liste mit Eva’s unglaublich hilfreichen Büchern rund um das Thema Trauer:

In diesem Artikel findest du die wichtigsten Take-aways aus einem Gespräch mit Trauerbegleiterin Eva Terhorst.

Du kannst dir natürlich auch das ganze Gespräch auf dem buddhaweisheit Podcast anschauen:

Dies sind übrigens Eva’s Bücher zum Thema Trauer, die bereits tausenden Menschen geholfen haben:

  1. Alleine weiterleben: Wenn der Partner stirbt – Den heilsamen Weg der Trauer finden 🛒
  2. Das erste Trauerjahr: Was kommt, was hilft, worauf Sie setzen können 🛒
  3. Damit das Leben wieder heller wird: Das besondere Tagebuch in der Zeit der Trauer 🛒
  4. Ich konnte nichts für dich tun: Trauern und weiterleben nach einem Verlust durch einen Suizid 🛒
  5. Kinder in der Trauer: Verstehen, trösten und ermutigen – Ein Begleitbuch für Eltern 🛒
  6. Trauern, wenn Mutter oder Vater stirbt: Ich bewahre alles in meinem Herzen  🛒

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Wer ist Eva Terhorst?

Eva Terhorst ist keine klassische Psychologin, sondern eine Frau, die selbst durch tiefe Täler der Trauer gegangen ist:

  • Mit 15 Jahren verlor sie ihre Mutter durch Suizid.
  • 2006 starb ihr Lebenspartner an Krebs.

Sie weiß also, wie es sich anfühlt, wenn man glaubt, „es nicht zu überleben“.

Aus dieser Erfahrung heraus ließ sie sich zur Trauerbegleiterin und Heilpraktikerin für Psychotherapie ausbilden, gründete ihre Praxis, schrieb mehrere Bücher (Das erste TrauerjahrAlleine weiterleben, Kindertrauerbücher) und begleitet seitdem Hunderte von Menschen durch Krisenzeiten.

Ihr Markenzeichen: authentisch sein. Sie spricht nicht „von außen“ über Trauer, sondern aus der Innensicht einer Frau, die diese Erfahrung kennt – und wieder atmen gelernt hat.


Trauerbewältigung für Trauernde

  • Trauer dauert länger, als viele denken

Das erste Jahr ist meist das Schwerste, manchmal auch das zweite.

In der Regel dauert es drei bis fünf Jahre, bis sich der Schmerz wandelt. Wer glaubt, „nach ein paar Monaten müsste es vorbei sein“, irrt.

  • Trauer ist aktiv zu bewältigen


Eva beschreibt Trauer als etwas, das man „von allen Seiten angreifen“ muss: Bücher, Gespräche, kreative Arbeit, Bewegung, therapeutische Hilfe. Jeder Tag ist anders – darum braucht es einen „Bauchladen an Möglichkeiten“.

  • Die Ein-Minuten-Regel
    Statt vor riesigen Aufgaben zu verzweifeln, hilft es, winzige Schritte zu gehen: eine Minute etwas aufräumen, eine Minute spazieren gehen. So entsteht langsam wieder Struktur.

  • Gefühle zulassen statt verdrängen
    Eine Studie zeigt: 60 % aller klinischen Depressionen entstehen durch unterdrückte Trauer. Tränen, Wut und Erschöpfung sind keine Schwäche, sondern notwendiger Teil der Heilung.

  • Trauerzeiten bewusst einplanen
    Wer seiner Trauer im Kalender täglich 30 Minuten Raum gibt, verhindert, dass sie alles überwältigt. Trauer wird so Teil des Lebens – ohne es ganz zu dominieren.

  • Es gibt kein „Abschließen“
    Liebe endet nicht mit dem Tod. Sie wandelt sich. Viele sprechen innerlich weiter mit den Verstorbenen, fragen nach Rat. Das ist kein Zeichen von „Nicht-loslassen-können“, sondern Ausdruck bleibender Verbundenheit.

Trauerbewältigung für Eltern mit Kindern

  • Ehrlich sein – auch vor Kindern
    Kinder spüren die Trauer der Eltern. Wenn Gefühle verschwiegen oder sogar verheimlicht werden, kann das Vertrauen zerstören. Ehrlichkeit in kindgerechter Sprache ist der bessere Weg.

  • Kinder trauern anders
    Sie springen zwischen Spiel und Trauer hin und her. Das wirkt auf Erwachsene irritierend, ist aber normal. Kinder dürfen auch den Verstorbenen noch einmal sehen – Fantasievorstellungen sind meist schlimmer als die Realität.

  • Vorleben statt fernhalten
    Eltern, die ihre eigene Trauer zeigen, vermitteln Kindern: Gefühle sind erlaubt. Das schützt langfristig vor seelischen Schäden.

Umgang mit Trauernden für Freunde und Angehörige

  • Mut ist wichtiger als Perfektion
    Sag ruhig: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll, aber ich bin da.“ Das ist besser, als sich zurückzuziehen.

  • Fehler sind erlaubt
    Einigt euch: Drei „dumme Sprüche“ sind okay, ohne dass die Freundschaft leidet. So entsteht Raum für Nähe, ohne Angst vor falschen Worten.

  • Fragen ist besser als Schweigen
    „Wie geht es dir?“ bringt keinen zum Weinen – Trauernde weinen ohnehin. Schweigen verletzt mehr als die Frage.

  • Über den Verstorbenen sprechen
    Erinnerungen teilen, Lieblingsgeschichten erzählen – das tut gut. So bleibt die geliebte Person Teil der Gemeinschaft.

  • Begrenzte Energie respektieren
    Trauernde sind schnell erschöpft. Ein Treffen darf kurz sein, ein „Ja“ darf später ein „Nein“ werden. Nimm Absagen nicht persönlich.

Missverständnisse & Mythen über Trauer

  • „Man muss stark sein“ – Falsch. Stärke bedeutet, Gefühle zuzulassen, nicht sie zu unterdrücken.
  • „Nach ein paar Monaten sollte es vorbei sein“ – Trauer hat keinen festen Zeitplan. Drei bis fünf Jahre sind normal.
  • „Über die Verstorbene sollte man nicht reden, das macht alles schlimmer“ – Das Gegenteil ist wahr: Erinnerungen sind heilsam. Schweigen verletzt.
  • „Wenn ich weine, belaste ich meine Kinder“ – Kinder brauchen ehrliche Vorbilder. Offene Trauer zeigt, dass Gefühle gelebt werden dürfen.
  • „Der Verstorbene möchte sicher, dass du allein bleibst“ – Viele sterbende Männer sagen ihren Frauen ausdrücklich: „Such dir wieder jemanden, wenn ich weg bin.“ Das ist kein Verrat, sondern ein Akt von Liebe und kann laut Eva sehr helfen wieder halt im Leben zu finden.

Trauer und KI – ein neuer Weg?

Ein spannender Teil des Gesprächs drehte sich um Künstliche Intelligenz:

  • Im ARD-Dokumentarfilm „Unsterblich als KI“ begleitete eine KI einen todkranken Mann, indem sie seine Stimme und Gedanken speicherte.
  • Für ihn war es ein Projekt, das Hoffnung und Sinn gab – noch im Sterben.
  • Für seine Frau war es beruhigend zu wissen: Da ist etwas, das bleibt, auch wenn sie es nicht regelmäßig nutzt.

Eva Terhorst sieht darin kein Ersatz für Menschen, sondern ein weiteres Hilfsmittel im „Bauchladen der Trauerbegleitung“.
Sie selbst stellte sich vor, wie hilfreich es gewesen wäre, damals eine KI zu haben, die auf Trauer spezialisiert ist – die passende Worte findet, Tipps gibt und im Moment abholt. Eine Art digitaler Trauerbegleiter.


Fazit

Trauer ist kein Tabu, kein Defekt und kein Zustand, den man „hinter sich bringen“ muss. Sie ist Ausdruck von Liebe – und sie braucht Zeit, Raum und Mitmenschen, die aushalten können.

Ob wir selbst trauern, Kinder begleiten oder als Freunde an der Seite stehen: Ehrlichkeit, Mut und Geduld sind die wichtigsten Bausteine. Und vielleicht eröffnet uns die Zukunft sogar neue Hilfsmittel – ob in Form von Ritualen, kreativer Arbeit oder einer KI, die versteht, wie schwer Loslassen ist.

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